Wir Richtigmacher Part two

Veröffentlicht am Autor sabinebrandi9 Kommentare

 

Natürlich ist es richtig, einen Appell gegen Nazis zu unterschreiben. Warum also geht´s mir schlecht damit?

Rückblende: vor dem Spiel BVB gegen Hannover drängeln wir uns Richtung Einlaß-Nadelöhr am Stadion. Einer der Freunde spricht mich auf einen Text an, den er – gemeinsam mit Anderen – wegen der Nazi-Gewalt beim Championsleague-Hinspiel in Donezk verfasst hat. Hat ihn dabei, den Text – ich lese im Gedränge und stimme zu. Genau, da muss man was machen.

Dann – im Stadion – entrollen Fans auf fast allen Tribünen große Schriftbanner, die die Nazi-Gewalt  verurteilen. Auf der Süd, wo auch Ultras stehen, sieht man die meisten dieser handgemalten Proteste. „Klasse!“ denke ich erleichtert, das hat sich erledigt – dieser Club hat kein Nazi-Problem. Und wenn, dann nur ein kleines.

Trotzdem landet in der Woche drauf die Anfrage nach meiner Unterschrift in der mail-box – die Anti-Nazi-Proteste vom Spieltag seien berücksichtigt – die Dringlichkeit des Appells gelte allerdings unverändert. Ich meditiere ratlos vor dem Bildschirm und lese immer wieder die Namen der Initiatoren – alles gute alte Freunde. Wie kann ich einem Anti-Nazi Appell meine Unterschrift verweigern? Bin ich dann schon mit einem Bein in der „Nazi-Verharmloser“-Ecke?  Keine Zeit zum Grübeln, der Aufruf soll morgen bei den „Ruhrbaronen“ erscheinen – ich unterschreibe und fertig.

http://www.ruhrbarone.de/prominente-bvb-fans-gegen-nazis-und-gewalt-im-stadion/

Leider ist gar nix  fertig, denn seit der Unterschrift blinkt eine kleine Warnleuchte namens „unverhältnismäßig“  in meinem Kopf. Was immer ich google  zum Thema „Nazis und BVB“ ergibt vorbildliches Bemühen des Vereins: lebenslanges Stadionverbot für rechtsradikalen Fahnenschwenker, umgehende Entlassung eines Ordners, dem rechtsextreme Gesinnung vorgeworfen worden war, öffentlich bekundete „Null-Toleranz“-Strategie gegenüber Nazis im Stadion.  Was in der U-Bahn passiert, ist ein anderes Thema – aber keins, das Trainer oder Spieler bearbeiten müssen. U-Bahn fahren WIR.

Aber es ist auch das Fußballmärchen, das diese Mannschaft und ihr größter Fan auf dem Trainerstuhl uns nun schon im dritten Jahr beschert, was mich die Unterschrift bedauern lässt. Meisterschaft, Double und jetzt der Kampf um die Championsleague-Krönung – das alles sind Herausforderungen, die 101% volle Konzentration verschlingen, wo die Spieler von uns genau gar nichts Anderes als Support brauchen. Echte Liebe. Keine Zusatzaufgaben, wie: sag` mal bitte öffentlich `was gegen Nazis. Schon fängt deren Unterbewusstsein nämlich an, zu arbeiten und fragt: was denn? Was passt zu mir? Wie soll ich das formulieren? Prompt sind die 100% Hingabe ans Spiel in Gefahr.

Und es gibt noch einen Aspekt, der Richtigmacher allerdings empören könnte: Im Stadion produzieren Klopp und seine Mannschaft (fast immer) im weiten Rund der 80.000 große Glücksgefühle! Ekstase! Freudentaumel! Sich umarmende Männer! Es gibt nichts Besseres gegen rechtsextrem gefährdete Herzen oder Hirne.

Natürlich ist es richtig, einen Appell gegen Nazis zu unterschreiben.

Aber für mich gibt`s viel Falsches im Richtigen.

 

 

9 Kommentare zu Wir Richtigmacher Part two

  1. Das erinnert an den „Apell gegen die Verteufelung Andersdenkender“.
    Wer den nicht unterschreiben wollte bekam aber richtig Aärger mit den Gutmenschen.
    Sorry, war ein Joke aus der Spontizeit.

  2. Ich kam auch ins Grübeln. Aber aus anderen Gründen. Die Verfasser machen es sich nämlich schön einfach. Sie, die mit Wort, Bild und Note umgehen können, die teilweise nicht schlecht verdienen und auf dem feld der Kommunikation einiges bewirkt haben zeigen einfach mit dem Finger auf Watzke, Klopp, Dickel und die Mannschaft. Nach dem Motto „Hannemann geh Du voran“, macht Ihr endlich was, wir jedenfalls können es nicht mehr hören, nicht mehr ertragen, dass wir von unseren teuren Sitzplatz-Dauerkarten so`n Scheiß hören müssen. Alle zwei Wochen fahren die Verfasser dann auch mal U-Bahn anstatt wie sonst üblich alles mit dem Auto zu erledigen. Und tatsächlich passiert auch dort nicht Schönes für Aug und Ohr der werten Herren.

    Anstatt entegegen zu brüllen „Nazis raus“ (es werden sicherlich schon andere Fans mit einstimmen) schreibt man lieber einen offenen Brief.

    Anstatt auf Projekte aufmerksam zu machen, z.B. das AntiFa Bündnis in DO oder auf EXIT-Deutschland hinzuweisen oder auf Schule-Ohne-Rassismus und vielleicht denen eine Spende zukommen zu lassen…. man schreibt lieber einen offenen Brief.

    Anstatt bei der darbenden WR und der florierenden RN eine ganze Seite als Anzeige zu kaufen oder für lau zu erbetteln, schreibt mal lieber einen offenen Brief, der bei den Ruhrbaronen und bei Zeigler wunderbare Fußballwelt zwar publiziert aber dennoch nicht in der Öffentlichkeit ankommt – das wars!? Jau das wars – so macht man Front gegen Nazis – billig. Aber aus dem Kuchenblock ist nichts anderes zu erwarten.

  3. Ach, ich vergaß noch folgenden Hinweis:
    über die Gedanken von Frau Brandi und vom Skatbruder kannze ma nachdenken. Viddelstunde. Datt schaffse schon.

  4. Danke für den Kommentar, Skatbruder. Und nun gab´s gestern die Video-Ansprache vor dem Spiel gegen Freiburg. Der BVB hat „geliefert“. Ihre Meinung dazu?

  5. 1A kann man dazu nur sagen. War richtig, weil nötig.
    Dennoch bleibe ich dabei, dass es eben nicht reicht nur zu sagen NAZIS RAUS.
    Es müssen die Ursachen bekämpft werden. Warum kleben Jugendliche am Fliegenleim der Neofaschisten? Wie kann ein 20jähriger Fußball-Profi aus Griechenland sein Tor mit dem Hitlergruß feiern….. weil Sie es nicht besser wissen. Weil Sie gar nichts wissen über Nazis, Rassismus, Antisemitismus, Auschwitz, Krieg, etc etc ….
    Nach der Schweigeminute sollte man nicht weiterhin Schweigen sondern weiter Sprechen!

  6. Liebe Frau Brandi,
    wenn man genauer hinsieht, dann erkennen wir beide, dass der BvB schon viel macht:
    http://www.bvb.de/?%87%ECZ%1B%E7%F4%9CXk%EF%80%98 (astrein!!!!)
    Die Blauen übrigens auch:
    http://www.bosch-stiftung.de/flashbooks/RBM_13_2012/RBM_13_2012.html (Seite 18)
    Da sind, wie Sie sagen, Richtigmacher am Werk.
    Und vielleciht sollten die Unterzeichner mit ihren kommunikativen Fähigkeiten mal darauf hinwirken, dass der BvB und auch die Schulen für die Saison 13/14 den Lernort Stadion mit Leben füllen. Ist da eigentlich in dieser Saison 11/12 nichts passiert?
    Reh, Bock, Zippe 😉

  7. Wow… es geht doch! Endlich!!!

    http://do.nw.schule.de/westfalenkolleg/ng/index.php?option=com_content&task=view&id=539&Itemid=89

    Denn: Schule ohne Rassismus muss sein,
    weil ich selbst in meiner Schulzeit nur positive Erfahrungen damit gemacht habe. Ich möchte die Schülerinnen und Schüler unterstützen, die sich schon früh mit diesem Thema auseinandersetzen und damit viele Probleme erst gar nicht entstehen. Beispielhaft an der Alexander von Humboldt Schule in Lauterbach / Hessen.

    Sebastian Kehl; Fußballspieler bei Borussia Dortmund;

    seit dem 3.06.2003 Pate des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, Lauterbach, Hessen

    oder

    weil ich tagtäglich in unserer Mannschaft erlebe, wie harmonisch unterschiedlichste Kulturen zusammen agieren können. Diese tolle Erfahrung sollte auch bereits den Schulalltag bereichern.

    Roman Weidenfeller, Torhüter bei Borussia Dortmund;
    seit dem 24.10.2007 Pate des Fritz-Henßler-Berufskolleg, Dortmund, NRW

    Schön, dass Herr Eckenga ENDLICH auch dabei ist!

  8. Samstag, 25.01.2014 -> Borussia Dortmund : FC Augsburg

    Am 27.01. ist der Jugend- und Schülergedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

    Kann mal einer einen offenen Brief an die Ultras verfassen, sie sollen mit Pyro und Böllern, mit Pauken und Trompeten und einer Choreo auf diesen Tag hinweisen!

    Danke

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